„klapps“ war anders als gewohnt, aber dennoch ein kultureller Lichtblick im Herbst. Unter den gegebenen Umständen durften zwar nicht so viele Zuschauer wie gewohnt ins Kulturhaus „abraxas“ kommen, dennoch genossen alle die Möglichkeit, verschiedenste Figurenarten und Spielweisen in Präsenz zu erleben. Es gab anregende Diskussionen und Gespräche über die Vielfalt des Genres und welche Inszenierung noch zum Figurentheater zählt, oder vielleicht schon Erzähltheater ist. Die Grenzen waren fließend!

Die internationalen Gastbühnen kamen aus Österreich und der Schweiz.

Das „Karin Schäfer Figuren Theater“ aus Wien bezauberte uns mit „Zheng He – als die Drachenschiffe kamen“ und entführte uns nach Afrika, China und weiteren Länder. Das eindrucksvolle Spiel kam fast ohne Worte aus und überließ damit der Interpretation des Zuschauers viel Raum. Faszinierend war das Zusammenspiel zwischen Projektion und Puppenspielerin, wenn Gegenstände von der virtuellen Welt in die reale gereicht wurden.

Im sehr poetischen Stück „Glück, Pech und was dazwischen liegt“ philosophierte die Marionette Max mit dem Spieler des „Marionetten Wunderlands“ aus der Schweiz über wesentliche Fragen des Alltags. Köstlich, wie weitere Charaktere, zum Beispiel der nachdenkliche Francoise oder ein gefiederter Pessimist andere Aspekte hinzufügten.

Mit viel Musik berührte uns das „Theater con Cuore“ mit der Liebesgeschichte „Hear my song“. Die gefühlvollen Szenen im kleinen Zirkuswagen beeindruckten auch durch die Umsetzung, wie hier zwei Spieler Platz finden konnten!

Das „Theater der Nacht“ sorgte mit dem Stück „Händels Hamster“ dafür, dass die bekannte Musikgeschichte ins Wanken kam. In pompöser Umgebung entwickelte sich ein köstliches Spiel mit Klappmaulpuppen, das die Frage offenließ, wer hat Händels wunderbare Musik „wirklich“ komponiert.

Eher unbekannte, teils gruselige Märchen der Brüder Grimm waren im Fokus der „Grimmschwestern“ –  Theater7Schuh und Theater Papperlapapp. Wer weiß schon, dass die Grimms einen früh verstorbenen Bruder hatten, der hier als Schwester wieder auftauchte und so manches Wissen über die Familie in Frage stellte.

Konsequent wurden die Märchen mit vielerlei Papier- und Faltfiguren erzählt, neu gemischt, absurd betrachtet und ganz erfrischend dem Publikum präsentiert. War das noch Figurentheater oder schon Erzähltheater?

Ganz anders das Spiel der Hör- und Schaubühne, die mit dem Stück „Heimat.Museum“ uns ins masurische Dorfleben entführte. Den eindrucksvollen Stabfiguren hätte man etwas mehr Spiellebendigkeit gewünscht.

Den krönenden Schlusspunkt setzte die Koproduktion des „FAB-Theaters“ mit dem Musik-Trio „Tango Si!“. Das war virtuose Marionettenkunst, begleitet von mitreißender Live-Musik.

Eine wohl vergebliche Liebesgeschichte und eine Reise nach Argentinien die uns zum Schluss der Puppenspieltage melancholisch, aber sehr erfüllt in unseren Alltag entließ.

Die Puppenspielerin Alice Gottschalk beeindruckte nicht nur mit ihrer Marionettenführung, sondern auch mit ihrer sportlichen Einlage, zu jedem Szenenwechsel mit einem klapprigen alten Fahrrad einmal um die Bühne zu fahren.

Im Kinderprogramm begeisterten die regionalen Theater die kleinen Zuschauer verschiedener Kindergärten. So präsentierte das „Figurentheater Kladderadatsch“ den Märchenklassiker „Dornröschen“ lebendig und frech rund um ein Spinnrad.

„Die Ugglbühne“ zeigte, wie Uggl, den frechen Kobold Znerol, der alle Waldbewohner ärgert, fantasievoll „umerzieht“. Und die Puppentheater „Luftsprung“ und „La Favola“ begaben sich mit dem Kasperl auf die abenteuerliche Suche nach dem Kristall des Märchenkönigs.

Das Familienprogramm war ebenso vielfältig und zeigte Figurentheater von seiner feinsten Seite. Das „Theater der Nacht“ entzückte mit der Geschichte vom „Däumlinchen“, erstaunlich  was im Kleinen alles möglich ist.

Das „Theater 7Schuh“ faszinierte in „Ein Ort zum Glück“ mit den vielen Möglichkeiten an ungewöhnlichen Orten zu wohnen. Jede Wendung eine neue Überraschung. Selbst der Telefonhörer bekam darin einen besonderen Einsatz.

Die „Hör- und Schaubühne“ lud uns ein, mit Mary Poppins im Handtaschenmusical „Kopfüber/ kopfunter“ die Welt auf den Kopf zu stellen. Gerne hätte man länger den vielen schönen Ideen in den einzelnen Szenen zugesehen. Faszinierend das Schirmschattenspiel.

Mein persönliches Highlight war „Tiger wild“ vom „Theater von Cuore“. Ein fetziges Stück vom Wandel einer sehr geordneten Welt hin zum lebendigen Chaos in dem die Menschlichkeit Platz hat. Wer kann schon ruhig bleiben, wenn „born to be wild“ erklingt?

Ein Festival mit gewohnt vielen Facetten um die Vielfalt dieses Metiers zu präsentieren. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es vom 13. – 15. Oktober und 19. – 22. Oktober 2023.

Und dazwischen ein „Figurentheaterschmankerlwochenende“ im Herbst 2022.

Angelika Albrecht-Schaffer